Tiflis, eine Stadt zum Eintauchen

Weine, Thermen, Technoklubs.

Nachts feiern im Bassiani und am Tag darauf entspannen in den weltberühmten Thermen von Tiflis: Die georgische Hauptstadt strebt einen westlichen Lifestyle an - und bleibt sich dabei treu. Noch.

Jahrzehntelang sind die Touristen aus dem Westen vorbeigereist an Georgien. Inzwischen avanciert das kleine Land am Südrand des Kaukasus zum Trendziel. Weil es so abwechslungsreich ist, so erschwinglich, so außergewöhnlich. Und weil es so viel Natur gibt. Und alle Besucher wollen natürlich die Hauptstadt sehen.

 

Wir haben neun Tipps für einen ersten Besuch in Tiflis.

 

1. Steigen Sie auf.

Wer sich gleich nach der Ankunft einen Überblick über Tiflis (georgisch: Tbilissi) verschaffen will, muss ganz nach oben. Der kleine Berg Mtazminda ist eigentlich mehr ein Hügel, der sich auf rund 300 Metern über dem Zentrum erhebt. Für Lauffaule gibt es eine Seilbahn. Oben wartet nicht nur die Aussicht über weite Teile der Stadt, sondern auch ein kleiner Vergnügungspark mit Karussells, einer Looping-Achterbahn und einem Riesenrad, von dem aus an klaren Tagen sogar die Kaukasus-Gipfel in der Ferne zu sehen sind. Es riecht nach verbrannter Holzkohle und geröstetem Fleisch - der Mtazminda ist bekannt für seine Grillrestaurants.

 

2. Gehen Sie baden.

"Nicht in Russland, nicht bei den Türken, fand ich, seit ich lebe, Köstlicheres als Tiflis Bäder", schrieb einst Alexander Puschkin. Seit Jahrhunderten kommen Besucher extra wegen der Schwefelthermen nach Tbilissi. Teilweise fühlt es sich in den Bädern auch noch so an wie vor Jahrhunderten: etwa im öffentlichen Teil, wenn man je nach Geschlecht nackt mit wildfremden Männern oder Frauen im heißen, nach faulen Eiern müffelnden Wasser sitzt - oder von einer beherzten Bademeisterin mit einem rauen Roßhaarlappen so lange abgeschrubbt wird, bis sich die obersten Hautschichten in Fetzen lösen.

Wer es ein wenig privater mag, kann sich auch ein Bad anmieten. Das kostet zwar mehr als der allgemeine Eintritt - zwischen 30 und 100 Euro je Stunde - ist aber ein entspannenderes Vergnügen, insbesondere bei schlechtem Wetter. Die Thermen konzentrieren sich im Bäderviertel Abanotubani, ein paar Gehminuten südöstlich der Altstadt. Wir waren im Abano No. 5, auch das Orbeliani und das Irakli werden oft empfohlen.

3. Lassen Sie sich vom Wasserfall abkühlen.

Nur ein paar Hundert Schritte vom Bäderviertel den Bach entlang beginnt die kleine Feigenbaum-Schlucht Legvtakhevi: eine Oase der Ruhe, mitten in der Metropole, wo Schmetterlinge flattern und Bienen summen. Hier kann der Wellnessurlaub gleich fortgesetzt werden. Am Ende des Weges rauscht ein kleiner Wasserfall in ein natürliches Becken. Wenn der Bach viel Wasser trägt, können Sie die Gischt auf Ihrer Haut spüren.

4. Schlagen Sie sich den Bauch voll.

Osteuropas Küche hat einen schlechten Ruf - völlig zu Recht, wenn es nach dem Gaumen des Autors geht. Die georgische Küche ist jedoch anders: eine eurasische Mischung aus Teigwaren, Fleisch- und Gemüsegerichten. Fast jedes Essen wird mit viel Knoblauch, frischem Koriander und Walnüssen serviert. Natürlich gibt es hervorragendes Fleisch vom Holzkohlegrill, bunte Salate und frische Forellen, wie in vielen Staaten dieser Region.

Die georgische Küche kann aber auch exquisit: etwa Badrijani Nigvzit, Auberginenröllchen mit Nussfüllung. Oder Pchali: Gemüsepasten aus Spinat, Roten Beten und Auberginen mit Walnuss. Chatschapuri: frisch gebackenes Fladenbrot mit Sulguni-Käse. Chinkali: handtellergroße Teigtaschen, die man am Stumpf mit den Fingern hält, während man die Füllung aus Fleisch oder Gemüse mit dem Mund herauszuzelt. Und zum Nachtisch Tschurtschchela: Nüsse am Bindfaden in eingedicktem Traubensaft. Georgien gilt zudem als Wiege der Weinkultur, 7000 Jahre geht die Tradition zurück. Besonders Naturweine stehen hoch im Kurs.

Beliebte Restaurants sind zum Beispiel das "Samikitno" am Maidan oder das "Pasanauri" nahe des Rustaveli-Platzes.

5. Entdecken Sie die windschiefe Altstadt.

Tiflis hatte Glück mit seiner Altstadt, die unter Stalin restauriert wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Vormarsch der deutschen Truppen ein paar Hundert Kilometer vor der Stadt gestoppt. Und als es zu Ende ging mit der UdSSR, war schlicht nicht genug Geld da, um die traditionellen Häuser abzureißen und neue zu bauen. Übriggeblieben ist eine Altstadt, wie sie sich viele andere Orte nur wünschen können: Gebäude mit Stuckdecken, teils windschief, teils von Weinranken überwuchert. Teils mit halbzerfallenen Balkons, die so aussehen, als würden sie jeden Moment einstürzen (und gelegentlich tun sie das auch). Hinterhöfe, in denen Kinder spielen, Vögel zwitschern und Nachbarinnen ein Schwätzchen halten.

Doch auch dieses Leben zwischen Kirchen, einer Moschee, zwei Synagogen und sogar einem zoroastrischen Feuertempel ändert sich langsam: Investoren kaufen kleine Apartments auf, um sie über Buchungsportale an Touristen zu vermieten. Das eine oder andere Haus wird abgerissen, um etwas Neues zu bauen. Aber noch hält sich die Gentrifizierung im Rahmen.

6. Kaufen Sie ein.

In der Neustadt, entlang des Rustaveli-Boulevards, reihen sich Geschäfte aller Art: ob für Kleidung, Schuhe, Kunstgegenstände oder Mitbringsel. Leckere georgische Lebensmittelspezialitäten, Obst, Gemüse, Wein und Fisch bieten Händler rund um den Desertirebis Bazari nahe des Hauptbahnhofs an. Der größte Flohmarkt mit jeder Menge Sowjet-Memorabilia erstreckt sich nahe der Mshrali-Brücke, hinter der Nationalgalerie.

7. Schwärmen Sie aus.

Zum Beispiel ins Nachbarland Armenien, das von Tiflis aus in einer Tagestour gut zu erreichen ist. Rund 120 Kilometer entfernt stehen die armenischen Weltkulturerbe-Klöster Sanahin, Haghpat und Achtala.

Und auch sonst ist Tiflis die perfekte Basis für Ausflüge zu den Schönheiten der Umgebung, wie etwa Stalins Geburtsstadt Gori oder die alte Handelsstadt Mtskheta. Wer einmal einen Kaukasus-Fünftausender aus der Ferne betrachten will, kann die alte Georgische Heerstraße hinauf in die Ortschaft Kazbek/Stepanzminda fahren, die umgeben von hohen Bergen liegt. Hier empfiehlt sich mindestens eine Übernachtung vor Ort. Besser noch zwei.

8. Schweben Sie in den Sonnenuntergang.

Sobald die Sonne hinter den Häusern verschwindet, spazieren Sie auf die Ostseite des Flusses Mtkvari zur neuen Seilbahnstation. Kaufen Sie ein Ticket für einen Lari (umgerechnet 0,32 Euro), steigen Sie ein - und genießen Sie die kurze Fahrt über den Fluss und die Altstadt, hoch zur ehemaligen Festung Narikala.

Dort oben genießen Sie den Sonnenuntergang - und gehen dann ein paar Schritte hinunter zum Eingang der Burgruine zu einem der zahlreichen Aussichtspunkte. Von dort können Sie miterleben, wie die Abendlichter angehen: in einem Haus nach dem anderen, und die Bewohner auf die Straße schwärmen, hinaus ins Nachtleben.

9. Feiern Sie mit.

Tiflis zeigt sich als Stadt der Lebensfreude: Ob Open-Air-Konzerte, Festivals oder Weinverköstigungen - irgendwo ist immer was los. Einer der bekanntesten Elektroklubs der Stadt ist das Bassiani. Techno gilt in dem Land, das nach westlichem Lifestyle strebt, als eine Art Protestmusik. Dafür ist die Diskothek, die sich unter dem nationalen Fußballstadion von Georgien befindet, auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Mischen Sie sich unter die Menschen, trinken, tanzen, speisen und feiern Sie mit - man wird Sie willkommen heißen. Wenn Sie keine Berührungsängste zeigen, haben die Georgier auch keine.