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CATL: Marktführer mit deutscher Hilfe

Das chinesische Unternehmen CATL ist Weltmarktführer bei E-Auto-Batterien. Auf dem Heimatmarkt China liegt der Marktanteil bei knapp 50 Prozent. In Erfurt bauen die Chinesen gerade ihr erstes Werk außerhalb Chinas. Am rasanten Aufstieg des chinesischen Zulieferers haben laut einem Bericht auch deutsche Ingenieure mitgewirkt. In kürzester Zeit brachten sie CATL demnach „auf ein ansehnliches technologisches Niveau“. 

Die Stadt Ningde im Südosten Chinas sieht auf den ersten Blick nicht wie das Zentrum für eine Schlüsseltechnologie in den Autos der Zukunft aus. Die Stadt ist von Bergen umgeben und liegt in einem bekannten Tee-Anbaugebiet. Sie ist aber auch Hauptsitz von CATL, dem mittlerweile größten Hersteller von Batterien für Elektroautos. 

CATL-Chef Robin Zeng hatte ohne Frage einen guten Riecher, als er als einer der ersten Anbieter in China seine Produktion von Batterien für Smartphones und Laptops auf viel größere Zellen für E-Autos umstellte. Schon vor zehn Jahren begann Zeng mit dieser strategischen Neuausrichtung. Der Umsatz von CATL stieg in diesem Zeitraum von etwa 200 Millionen auf zuletzt 5,9 Milliarden Euro. 

Zeng hat davon profitiert, dass er die Politik der chinesischen Führung richtig interpretiert hat. Mit massiven Unterstützungen für Firmen im Bereich E-Mobilität, Subventionen für E-Auto-Käufe, aber auch Fahrverboten für Benziner, hat sich die Volksrepublik in den vergangenen Jahren rasant zum Marktführer entwickelt.

Erstmals wurden 2018 in der Volksrepublik eine Million Fahrzeuge verkauft, die durch neue Energien angetrieben werden. 2020 waren es bereits mehr als 1,3 Millionen Fahrzeuge.

CATL ist im eigenen Land eindeutiger Branchenprimus. Nicht nur heimische Autobauer, sondern auch ausländische Hersteller, inklusive der meisten deutschen Autobauer und sogar Tesla, setzen auf das Unternehmen aus Ningde, dass 2020 in der Volksrepublik einen Marktanteil von knapp 50 Prozent hatte - Tendenz steigend.

 

Fertigung in Erfurt soll 2022 starten

Mit den stark wachsenden Verkaufszahlen von Elektroautos will CATL seine eigenen Batteriekapazitäten weiter massiv ausbauen. Auch will der Konzern weltweit stark expandieren. CATL plant so Markteintritte in Japan, Indonesien, in die USA und auch Europa. Deutschland spielt die Schlüsselrolle für den europäischen Markt. Bereits im Oktober 2019 begannen Chinesen mit dem Bau einer Fabrik in Erfurt. Das Werk, in das CATL gut 1,8 Milliarden Euro investiert, soll 2022 den Betrieb aufnehmen. 

BMW will den Erfurtern Akkus im Wert von 1,5 Milliarden Euro abnehmen. Bis zu 2000 Mitarbeiter könnten in der Fabrik beschäftigt werden. Auch mit Daimler hat CATL eine Partnerschaft vereinbart. So soll etwa die elektrische Limousine Mercedes-Benz EQS mit CATL-Zellen ausgestattet werden. Auch wollen die Unternehmen gemeinsam an Lithium-Ionen-Zellen forschen.

Die deutschen Hersteller halten große Stücke auf CATL. So sagte VW-Chef Herbert Diess kürzlich in einem Interview mit der Wirtschaftswoche, dass er, damals noch als BMW-Manager, bereits vor zehn Jahren erste Gespräche mit CATL geführt habe. Damals produzierten die Chinesen hauptsächlich noch Batterien für Smartphones. CATL habe „zunächst abgewunken“, Akkus für E-Autos zu produzieren. Heute sei CATL, wie der VW-Chef erklärt, „nicht nur der größte, sondern auch der innovativste Batteriehersteller der Welt“.

Die Zellen von CATL gelten nicht nur als günstig, sondern auch als technologisch fortschrittlich. Die Chinesen wollen die Reichweite der Batterien entscheidend steigern. Zudem sollen die Ladezeiten kürzer werden, was für den Fahrer von Elektroautos mehr Komfort bedeuten würde. CATL arbeitet außerdem an einer Batterie mit extrem langer Lebensdauer: 16 Jahre oder zwei Millionen gefahrene Kilometer sollen künftige Batteriegenerationen im Einsatz sein.

VW-Chef Diess sei „immer davon ausgegangen, dass bei den Batterien in wenigen Jahren eine Industrie entstehen wird, die so viel Umsatz hat, wie die Zulieferer in Summe haben“. Auch die Befürchtung niedriger Margen habe sich „nicht bewahrheitet“. Die operative Marge von CATL liege „im zweistelligen Bereich“.

 

Deutsche Ingenieure haben geholfen

Wie das Manager Magazin berichtet, können Diess und sein früherer Arbeitgeber BMW durchaus einen Anteil am heutigen Erfolg von CATL für sich beanspruchen. Nachdem man 2012 eine offizielle Kooperation gestartet habe, sei die Qualität der Zellen nicht ausreichend gewesen. 

Doch dann griffen deutsche Ingenieure ein. „In kürzester Zeit halfen die Deutschen, CATL auf ein ansehnliches technologisches Niveau zu bringen. Ganze Teams flogen regelmäßig aus Shenyang, dem Sitz des BMW-Joint-Ventures, und München ein“, so das Magazin. 

Nicht nur Chinas knallharte Industriepolitik, sondern auch bereitwillige Hilfe aus Deutschland hat CATL demnach dabei geholfen, zum Weltmarktführer einer Zukunftstechnologie aufzusteigen.