· 

E-Yuan: Peking zündet nächste Teststufe

Der E-Yuan ist keine Zukunftsmusik mehr. Die Pilotphase läuft seit Monaten, jetzt hat die Zentralbank 50.000 Chinesen jeweils 200 E-Yuan ausgezahlt. Peking will damit auch großen Zahlungsanbietern Paroli bieten. Denn die Daten aus dem digitalen Zahlungsverkehr sind begehrt.

Die Gelegenheit war günstig. Passend zur Tradition, sich zum chinesischen Neujahr virtuell rote Umschläge mit Geldgeschenken zu senden, verteilten die chinesische Zentralbank während der Zeit vor dem Neujahr, erstmals auch in Peking Geld in digitaler Form. Jeder der 50.000 Teilnehmer, die sich durch ein Auswahlverfahren dafür qualifizierte, erhielt 200 Yuan (25 Euro) in E-Yuan und kann diese während der Feiertage bis zum 26. Februar auf bestimmten Online-Plattformen oder auch auf den Seiten des E-Commerce-Händlers JD.com ausgeben. Die Zentralbank Chinas verschenkte auf diese Weise umgerechnet 1,25 Millionen Euro an Bürger.

 

Pilotprojekte laufen bereits

Schon seit mehr als einem halben Jahr testet das Forschungsinstitut für digitale Währung, das an die Zentralbank angesiedelt ist, in vier chinesischen Städten den Einsatz des E-Yuan. Zuletzt etwa in Shenzhen, davor in Suzhou, Xiong’an und Chengdu. Diese Pilotprojekte dienen vor allem dazu, zu testen, ob die Nutzer mit der neuen Währung klarkommen. So haben einige Nutzer ihre E-Yuans nicht ausgegeben, sondern wollten sie ansparen. Das ist aber nicht möglich, da die E-Yuans eine Ablauffrist haben. Auch wissen manche Nutzer nicht, wie sie ihre E-Yuans ausgeben können, weil sie nicht mit dem neuen System vertraut sind.

Bilder des E-Yuan, der offiziell die Bezeichnung Digital Currency Electronic Payment (DCEP) trägt, kursierten im vergangenen Spätsommer im Internet, sodass auch ohne genaue Details der chinesischen Zentralbank bekannt wurde, wie der digitale Yuan künftig aussehen könnte. In den Umlauf kommt der E-Yuan durch die Verteilung der Notenbank an die Geschäftsbanken und diese reichen ihn dann an ihre Kunden in Form eines unverzinsten, virtuellen E-Wallets weiter. Das ermöglicht, dass der E-Yuan auch ohne Bankkonto genutzt werden kann - nicht nur von Chinesen, sondern auch international. China drängt das Zahlen mit Bargeld weiter zurück und bringt die internationale Verbreitung des E-Yuans auf den Weg.

Bargeldloses Bezahlen ist in China in den vergangenen Jahren schon weit vorangeschritten, in den vergangenen Jahren haben der Technologiegigant Tencent durch seine Bezahlapp WeChat Pay und der E-Commerce-Anbieter Alibaba mit Alipay den Markt immer mehr dominiert. Dabei haben die privaten digitalen Bezahl-Plattformen des Landes anfänglich Chinas Bankenwelt ziemlich nervös gemacht. Denn die Banken standen plötzlich im Dunkeln, wenn es um die Daten ihrer Kunden ging, die auf den digitalen Bezahl-Plattformen entstanden. Es wurde schwieriger, die Gewohnheiten der Verbraucher in China herauszufinden: Was kauften sie, wie viel gaben sie für Lebensmittel, Miete oder Luxusprodukte und Reisen aus.

Nun schlägt die Regierung durch die Einführung des E-Yuans zurück, indem zum einen die Hegemonie dieser Dienste aufgeweicht wird und zum anderen die Daten zentral gesammelt werden.

 

Blockchain-Technologie als Grundlage

Dem E-Yuan liegt die Blockchain-Technologie zugrunde. Dadurch kann jede Transaktion genau nachverfolgt werden - anders als bei Bargeld. Dadurch können Missstände der Bargeldnutzung wie Korruption, Terrorismusfinanzierung, Steuerhinterziehung oder Geldwäsche stärker eingeschränkt werden. Die zunehmende staatliche Kontrolle birgt aber auch eine Schattenseite: Internationale Datenschützer sehen die große Gefahr, dass Peking komplette Einsicht in die Finanzen seiner Bürger bekommen könnte.

Auch wenn die derzeitig vorhandene Blockchain-Technologie nicht ausreicht, dass alle Transaktionen im Privatkundenbereich bedient werden können, da es sowohl an der Rechenkapazität wie auch der Serverinfrastruktur mangelt, hielt China zuletzt mehr Blockchain-Patente als jedes andere Land der Welt.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt Pläne für eine Digitalwährung. Sie will im Sommer einen Grundsatzentscheid hervorbringen. EZB-Chefin Christine Lagarde will den digitalen Euro zügig einführen. Derzeit sieht allerdings vieles danach aus, als wäre China schneller: Die Volksrepublik hat schon vor sechs Jahren damit begonnen, das E-Yuan-Projekt anzuschieben. Und Pekings Währungsbehörde hat sich zum Ziel gesetzt, den E-Yuan bis 2022 einzuführen.