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ELEKTRO-LONDON-TAXI

Das Taxigewerbe hat es zurzeit nicht leicht. Auch hier sind die Folgen der Pandemie deutlich zu spüren. Dennoch ist die London Electric Vehicle Company (LEVC) optimistisch, in Deutschland hinreichend Abnehmer für ihren LEVC TX eCity zu finden. Das ist der direkte Nachfolger des berühmten London Taxi, das jeder kennt, der schon einmal in der britischen Hauptstadt war.

Nun sind weniger einzelne Taxi-Unternehmen die avisierte Zielgruppe, sondern vielmehr Shuttle-Dienste, Hotels und immer öfter öffentliche Verkehrsbetriebe, die ihr Angebot kleinteiliger und individueller gestalten wollen. Rund 150 TX wurden in Deutschland schon abgesetzt und sind im Einsatz, zum Beispiel in Wuppertal und Münster.

Und so historisch das 4,85 Meter lange und 1,88 Meter hohe Taxi auch daherkommt, so modern ist sein Antrieb. Der TX ist ein Plug-in-Hybrid der besonderen Sorte. Die Hinterräder werden stets von einem 110-kW-Elektromotor angetrieben, der von einer 31-kWh-Batterie mit Energie versorgt wird. Als Reichweitenverlängerer und Generator fungiert ein 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner ohne Verbindung zum Antrieb, der für sich genommen nur 67 kW (90 PS) bietet.

Dieses Konzept sichert eine rein elektrische Reichweite von knapp 100 Kilometer, die wir nach ersten Probefahrten bestätigen können. 260 Newtonmeter maximales Drehmoment der E-Maschine (von Siemens) sorgen für einen passablen Antritt, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 128 km/h limitiert. Aber die Autobahn ist nicht unbedingt das Revier des LEVC. In der Stadt punktet er mit den klassischen Qualitäten eines London Taxi: sechs Personen finden vis-à-vis im Fond Platz, Koffer kommen auf die Beifahrerseite ohne Sitz. Und die Passagiere können ihre Hüte aufbehalten und schauen nach oben durch ein Glasdach. Gegen die Fahrtrichtung sitzt es sich etwas schlechter und vor allem härter, die Sitzflächen müssen erst heruntergeklappt werden. Ein Rollstuhlfahrer kann sich samt Stuhl anschnallen. An der rechten Seite des Taxis mit seinen gegenläufig öffnenden Türen befindet sich eine Rampe, die sich aus dem Boden herausziehen lässt. Besonders in Covid-Zeiten wichtig: die Trennscheibe aus Plastik, die den Fahrer vom Passagierraum trennt. Kommuniziert wird über eine Gegensprechanlage, was ziemlich gut funktioniert. Im Heck ist ein kleiner Kofferraum, der bei unserem Wagen aber mit einem vollwertigen Ersatzrad ausgefüllt war. Rechnerisch hat er 440 Liter Volumen.

Hinter dem Projekt steckt der Volvo-Eigner Geely aus China, der 2013 die damalige London Taxi Company (LTC) übernahm. Produziert wird inzwischen in einem nagelneuen Werk in Ansty bei Coventry, 5000 Exemplare des neuen TX wurden bisher gefertigt, 2000 davon sind in London im Einsatz. Die Karosserie besteht aus Aluminium, der Benzinmotor stammt von Volvo. Auch die Bedienelemente für den Fahrer erinnern an Volvo. Gestartet wird per Knopfdruck, es kann zwischen den Modi „Pure Electric“, „Smart“ und „Save“ gewählt werden. Save hält die Ladung der Batterie, im Smart-Modus entscheidet der Wagen automatisch. Ein Teil der Bedienung läuft über den vertikalen Monitorschirm, wie in einem Volvo eben. Geladen werden kann der LECV auch mit Gleichstrom mit bis zu 50 kW, das beherrschen nicht viele Plug-in-Hybride. So ist in einer guten halben Stunde der Akku wieder voll. Gegen Aufpreis ist Laden mit 22 kW möglich. Während unserer Probefahrten bei winterlichen Bedingungen kamen wir auf einen Schnitt von 7,2 Liter Super und 11,9 kWh Strom auf 100 Kilometer. Sensationell ist der geringe Wendekreis von 8,45 Meter, das ist wie die Rollstuhltauglichkeit eine der Anforderungen der Stadt London.