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Vollautonom im Goßstadtverkehr

Während Tesla-Chef Musk noch an komplett automatisch fahrenden Autos tüftelt, sorgt ein Wettbewerber in China bereits für Fakten: In der Millionenmetropole Shenzen fahren seit dieser Woche 25 Minivans von Fiat Chrysler, die ohne menschliche Fahrer auskommen.

Auf den Straßen der chinesischen Millionenstadt Shenzen sind seit Donnerstag erstmals komplett fahrerlose Autos unterwegs. Das berichten Medien unter Berufung auf den Hersteller Autox. Das auf KI-Steuerung spezialisierte Startup wurde vor vier Jahren von Alibaba, MediaTek und Shanghai Motors gegründet.

Den Angaben zufolge ist es die allererste selbstfahrende Flotte ohne einen menschlichen Fahrer. Autonomes Fahren ohne Netz und doppelten Boden sozusagen. Also auch ohne Zentrale, die im Notfall per Fernsteuerung eingreifen könnte. Die 25 Minivans von Fiat Chrysler sind nicht nur unbemannt, sondern auch zum allerersten Mal auf öffentlichen Straßen unterwegs. Zuvor gab es zwar schon Robotaxi-Projekte in mehreren chinesischen Städten, aber die hatten immer noch einen Fahrer, der im Notfall eingreifen konnte.

Der Öffentlichkeit zugänglich sind die Autos in Shenzen laut dem Tech-Portal t3n aber noch nicht. Sie stehen ausschließlich Mitarbeitern und privaten Gästen wie Medien, Geschäftspartnern, Investoren und Autoherstellern zur Verfügung, heißt es. Trotzdem ist es für Autox ein Meilenstein. Das Startup hatte erst vor fünf Monaten die Genehmigung für die autonome Test-Flotte erhalten.

Auch in Kalifornien testet Autox bereits seit Jahren die Fahrzeuge auf Straßentauglichkeit. Das Unternehmen beschäftigt Wissenschaftler von amerikanischen Top-Unis, darunter MIT, Stanford, Berkeley und Harvard. In einem nächsten Schritt sollen die Anzahl der Autos und die Größe des Testbereichs nun erweitert werden. Außerdem soll es Tests in mehr Städten geben, zitiert der US-Fernsehsender CNBC Aussagen von Unternehmenschef Jianxiong Xiao bei "Squawk Box Asia": "Wir haben vor, in den nächsten sechs Monaten in zehn Städte weltweit zu expandieren."

 

Erfolgreiche Attacke auf Tesla

Vollautonomes Fahren in einer der bevölkerungsreichsten Städte Chinas ist eine Herausforderung. Zur Technologie heißt es vom Unternehmen, die Fahrzeuge seien mit einer eigenen Fahrzeugsteuereinheit namens XCU ausgestattet, diese soll angeblich eine schnellere Verarbeitungsgeschwindigkeit und mehr Rechenleistung für die komplexen Straßenszenarien in Chinas Städten bieten.

In China gibt es neben Autox noch viele weitere Anbieter autonomen Fahrens. Sie haben sich in den verschiedenen Großstädten niedergelassen und arbeiten eng mit den lokalen Behörden und traditionellen Automobilherstellern zusammen. Bekannt sind unter anderem noch Pony.ai und Weride in Guangzhou oder die Apollo-Flotte von Baidu in Peking.

Echtes autonomes Fahren - also ohne menschliches Eingreifen (entspricht Level 5) - ist mit den Fahrassistenzsystemen des US-Elektropioniers Tesla derweil noch nicht möglich. Laut Elon Musk soll die Level-5-Technologie aber Ende 2020 einsatzbereit sein.