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88 Banken haben in der Krise an der Strafzins-Schraube gedreht – eine macht Rückzieher

Die Negativzinsen der EZB machen den Banken zu schaffen. Die Corona-Krise verschärft ihre Probleme. Dutzende Sparkassen, Raiffeisenbanken aber auch Privatinstitute haben deshalb in den vergangenen Monaten Strafzinsen installiert: Hier ist die Liste der Banken, bei denen Sie neuerdings draufzahlen.

Ob in Form von Negativzinsen, bei denen die Höhe der Strafzahlungen vom Guthaben abhängt, oder indirekt in Form eines unveränderlichen Verwahrentgeltes: Immer mehr Banken bestrafen ihre Kunden, wenn diese ihr Geld auf dem Konto parken. Meist werden die Abgaben fällig, wenn sich Geld auf dem Tagesgeldkonto ansammelt. Manche Institute kennen aber auch beim Girokonto kein Pardon mehr.

Insgesamt zählt FOCUS Online inzwischen deutschlandweit mehr als 150 Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken, die Negativzinsen verlangen – hier geht es zur kompletten Liste dieser Guthabenvernichter. Ein großer Teil dieser Institute hatte sich aber bis zuletzt noch mit der Einführung von Minuszinsen zurückgehalten. Erst im Zuge der Corona-Krise sollen nun auch hier die Kunden fürs Sparen büßen. Einmal mehr sind dabei insbesondere Kunden von Sparkassen und Volksbanken betroffen, wie die folgende Liste zeigt.

Bei diesen Banken zahlen Sie neuerdings Negativzinsen:

Augsburger Aktienbank: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Erfurter Bank: -0,5 Prozent, Freibetrag 20.000 Euro

Freisinger Bank: -0,5 Prozent, Freibetrag 50.000 Euro

Kreissparkasse Saarlouis: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Kreissparkasse Steinfurt: -0,5 Prozent, Freibetrag 75.000 Euro

Kreissparkasse Wiedenbrück: -0,5 Prozent, Freibetrag 75.000 Euro

levoBank: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Norisbank: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Postbank: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

PSD Bank Westfalen-Lippe: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Raiffeisenbank Augsburger Land West: -0,5 Prozent, Freibetrag 5000 Euro

Raiffeisenbank Eifeltor: -0,5 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

Raiffeisenbank Estenfeld-Bergtheim: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Raiffeisenbank Main-Spessart: -0,5 Prozent, Freibetrag 500.000 Euro

Raiffeisenbank Straubing: -0,5 Prozent, Freibetrag 25.000 Euro

Raiffeisenbank Unteres Vilstal: -0,5 Prozent, Freibetrag 50.000 Euro

Raiffeisen-Volksbank Miltenberg: -0,4 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

Raiffeisenbank Westeifel: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Sparkasse Altenburger Land: -0,5 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

Sparkasse Baden-Baden Gaggenau: keine Angabe zum Zinssatz, Freibetrag 100.000 Euro

Sparkasse Emsland: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Sparkasse KölnBonn: -0,5 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

Sparkasse Landshut: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Sparkasse Passau: -0,5 Prozent, Freibetrag 250.000 Euro

Sparkasse Pforzheim Calw: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Sparkasse Rhein Neckar Nord: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Sparkasse Versmold: -0,4 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

Sparkasse Waldeck-Frankenberg: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Stadt- und Kreissparkasse Moosburg: -0,5 Prozent, Freibetrag 25.000 Euro

Stadtsparkasse Düsseldorf: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Stadtsparkasse Langenfeld: -0,5 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

Stadtsparkasse Oberhausen: -0,5 Prozent, Freibetrag 200.000 Euro

Sparkasse Mittelthüringen: -0,5 Prozent, Freibetrag 50.000 Euro

Steyler Bank: -0,5 Prozent, kein Freibetrag

Triodos Bank: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Umweltbank: -0,5 Prozent, Freibetrag 200.000 Euro

VerbundVolksbank OWL: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Vereinigte Volksbank Brakel: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Vereinigte VR-Bank Kur- und Rheinpfalz: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Volksbank Bremerhaven-Cuxland: -0,5 Prozent, Freibetrag 25.000 Euro

Volksbank Delmenhorst Schierbrok: -0,4 Prozent, Freibetrag 500.000 Euro

Volksbank Emmerich-Rees: -0,35 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Volksbank Greven: -0,5 Prozent, Freibetrag 50.000 Euro

Volksbank Hameln-Stadthagen: -0,5 Prozent, kein Freibetrag

Volksbank Heilbronn: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Volksbank Hildesheim-Lehrte-Pattensen: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Volksbank Hohenlimburg: -0,5 Prozent, Freibetrag 250.000 Euro

Volksbank Köln Bonn: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Volksbank Mittleres Erzgebirge: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Volksbank Nordschwarzwald: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Volksbank Odenwald: -0,4 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Volksbank Rhein-Erft-Köln: -0,5 Prozent, Freibetrag 50.000 Euro

Volksbank Rhein-Lippe: -0,5 Prozent, Freibetrag 10.000 Euro

Volksbank Ruhr Mitte: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

Volksbank Sulmtal: -0,5 Prozent, Freibetrag 500.000 Euro

Volksbank Vorpommern: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

VR-Bank Bad Kissingen: -0,5 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

VR-Bank Bamberg-Forchheim: -0,6 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

VR-Bank Bayern-Mitte: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

VR-Bank Ellwangen: -0,5 Prozent, Freibetrag 1.000.000 Euro

VR-Bank Erding: -0,5 Prozent, Freibetrag 50.000 Euro

VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach: -0,5 Prozent, Freibetrag 20.000 Euro

VR-Bank im Altenburger Land: -0,5 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

VR-Bank Memmingen: -0,5 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

VR-Bank Mitte: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

VR-Bank Nordeifel: -0,5 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

VR-Bank Rhein-Neckar: -0,5 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

VR-Bank Südthüringen: -0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro

VR Partnerbank Chattengau Schwalm-Eder: -0,3 Prozent, keine Angabe zu einem möglichen Freibetrag

Hier wurde die Zinsschraube weiter nach unten gedreht oder Freibeträge verringert

Damit nicht genug: Die folgenden Banken verlangten zwar schon vor der Corona-Krise Negativzinsen, zuletzt aber verschlechterten sie ihre Konditionen noch einmal. Das heißt, die Negativzinsen wurden weiter gesenkt oder aber der mögliche Freibetrag wurde verringert:

GLS Bank: Freibetrag von 1.000.000 Euro auf 250.000 Euro gesenkt, für Guthaben über dieser Grenze liegt der Zinssatz bei -0,5 Prozent

Sparda-Bank Berlin: Zinsen auf -0,5 Prozent gesenkt, Freibetrag auf 50.000 Euro gesenkt

Sparkasse Hannover: -0,5 Prozent, Freibetrag auf 100.000 Euro gesenkt

Volksbank Baden-Baden Rastatt: Zinssatz auf bis zu -0,5 Prozent gesenkt, Freibetrag auf 200.000 Euro gesenkt

Volksbank Gescher: Zinssatz auf -0,5 Prozent gesenkt, keine Angabe mehr zu einem möglichen Freibetrag

Volksbank in der Ortenau: Zinssatz auf -0,4 Prozent gesenkt, Freibetrag weiter bei 100.000 Euro

VR-Bank Landsberg-Ammersee: Zinssatz auf -0,5 Prozent gesenkt, Freibetrag auf 125.000 Euro gesenkt

VR-Bank Mittelsachsen: Zinssatz auf -0,5 Prozent gesenkt, Freibetrag bleibt bei 1.000.000 Euro

Hier lauern jetzt versteckte Negativzinsen – ab dem ersten Cent

Für Kunden ohne nennenswerte Vermögen sind aber ohnehin diejenigen Banken viel kostspieliger, die zwar offiziell keine Negativzinsen verlangen, dafür aber beim normalerweise kostenfreien Tagesgeldkonto eine monatliche Gebühr in Rechnung stellen. So entsteht ein faktischer Negativzins, der jeden Kunden trifft – unabhängig davon, wie hoch das eigene Guthaben oder der monatliche Gehaltseingang ist. Teilweise werden die Gebühren sogar zusätzlich zu den offiziellen Negativzinsen berechnet. Experten bezweifeln, dass diese doppelte Bestrafung rechtens ist.

Die folgenden Banken haben seit Beginn der Corona-Krise eine Gebühr für Tagesgeldkonten eingeführt:

  • Kreissparkasse Ahrweiler: 3,50 Euro pro Monat
  • Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt: 4,50 Euro pro Monat (seit 1. März 2020)
  • Raiffeisenbank Rupertiwinkel: 1 Euro pro Monat
  • Raiffeisen-Volksbank Ebersberg: Verwahrentgelt ab dem ersten Euro, Details nicht bekannt
  • Sparkasse Amberg-Sulzbach Amberg: 1,95 Euro pro Monat
  • Sparkasse Südliche Weinstraße: 1,50 Euro pro Monat
  • Volksbank Ammerbuch: 1,50 Euro pro Monat
  • Volksbank Lingen: 2,40 Euro pro Monat
  • Volksbank Spree-Neiße: 2 Euro pro Monat

 

Hier werden Negativzinsen sehr wahrscheinlich verheimlicht

Schließlich gibt es eine Gruppe von Banken, die zwischenzeitlich Negativzinsen in ihrem Preisaushang veröffentlicht hatten. Diese Hinweise sind aktuell nicht mehr zu sehen. Dass die Negativzinsen damit auch vom Tisch sind, ist aber unwahrscheinlich. Denn die Europäische Zentralbank hält unbeirrt an ihrer Zinspolitik fest, mit der die Banken die Erhebung von Negativzinsen gegenüber den Kunden begründen.

Deshalb fügen wir in Klammern die Konditionen bei, wie sie vor dem Verschwinden der Aushänge zuletzt ausgewiesen wurden. Folgende Banken haben also in der Vergangenheit Negativzinsen ausgewiesen, mindestens online ist davon seit Neuestem jedoch nichts mehr zu sehen:

  • Volksbank Freiburg (-0,4 Prozent, Freibetrag 750.000 Euro)
  • Volksbank Rhein-Erft-Köln (-0,5 Prozent, Freibetrag 50.000 Euro)
  • VR-Bank Mittelsachsen (-0,5 Prozent, Freibetrag 100.000 Euro)

VR-Bank Fürstenfeldbruck macht Rückzieher - zum Teil

Eine bemerkenswerte Ausnahme gibt es allerdings: Die VR-Bank Fürstenfeldbruck war die erste Bank mit Negativzinsen ab dem ersten Euro. Nun hat sie einen Rückzieher gemacht und neuerdings einen Freibetrag eingeführt: Negativzinsen werden bei der VR-Bank Fürstenfeldbruck nun ab 10.000 Euro fällig - viele Kunden dürften dies mit Erleichterung aufnehmen.

„Dass Banken bestehende Negativzinsregelungen entschärfen, ist die absolute Ausnahme. Der Trend läuft in die andere Richtung“, betont Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier. Bestandskunden, die schon vor dem 1. Oktober 2019 ein Tagesgeldkonto bei der Bank hatten, waren allerdings ohnehin von Negativzinsen verschont geblieben – dabei bleibt es auch.

Achtung: Manche Banken lehnen Neukunden mit hohen Einlagen von vornherein ab. Zumindest ist hier eine Rücksprache mit der Bank nötig. Dabei kann ein individueller Negativzins festgelegt werden.

Möglicherweise noch mehr Banken mit Negativzinsen

Grundlage für die Zusammenstellungen, die Sie hier finden, sind online verfügbare Daten, die das Vergleichsportal Verivox zusammengestellt hat, ergänzt um Auskünfte der Banken gegenüber FOCUS Online sowie Angaben von Verbraucherschützern, anderer Medien und Vergleichsportalen wie Biallo.de.

Weitere, insbesondere regionale Banken machen ihre Konditionen allerdings überhaupt nicht zugänglich. Es ist deshalb davon auszugehen, dass noch mehr Banken Negativzinsen verlangen. Die Experten von Verivox weisen explizit darauf hin, dass einige Banken womöglich durch einen Trick verhindern, dass sie in dieser Liste erscheinen. Wenn sie das Tagesgeld nämlich nicht mehr zum Online-Abschluss anbieten, müssen sie über mögliche Negativzinsen nicht im Preisverzeichnis informieren.

Wirklich notwendig sind Negativzinsen aus Sicht von Experten aber nicht. Das zeigt die große Mehrheit der Anbieter, die nicht darauf zurückgreifen. Zudem gelten sie für gewöhnlich nur für Neukunden. Die Institute wollen dadurch verhindern, dass Menschen mit größeren Vermögen, die Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Bank bekommen, in Scharen zu ihnen wechseln.

Wer kann sich wehren - und wie?

Für Neukunden gilt: Sie können Negativzinsen nur vermeiden, indem Sie entsprechende Angebote der Banken ablehnen und stattdessen bei einer anderen Bank ihr Glück suchen.

Anders sieht die Sache für Bestandskunden aus. Die Finanzexperten der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg betonen, dass individuelle Vereinbarungen Voraussetzung dafür sind, dass Institute solche Verwahrentgelte einführen können. Ein Preisaushang reiche dafür nicht aus.

Außerdem gebe es zumindest Anhaltspunkte dafür, dass manche Preisklauseln einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten könnten. So erklärte etwa das Landgericht Tübingen die Praxis mancher Institute für unzulässig, neben einer Kontoführungsgebühr auf Grundlage eines Preisaushangs auch Negativzinsen zu erheben (Az.: 4 O 225/17). Schließlich werde eine Leistung auf diese Weise doppelt bepreist.

Außerdem darf eine Bank Kunden bei schon bestehenden Verträgen nicht nachträglich Negativzinsen aufbürden. Entsprechende Klauseln verstießen gegen wesentliche Grundgedanken der gesetzlichen Regeln, urteilte das Landgericht (LG) Tübingen bereits im Januar 2018 (Az.: 4 O 187/17).

Konkret ging es in dem damaligen Fall um die Volksbank Reutlingen, die ihre Kunden im Sommer 2017 per Preisaushang informiert hatte, dass bei bestimmten Anlageformen je nach Höhe und Laufzeit negative Zinsen - sprich: Kosten - fällig werden können. Wirklich verlangt hat die Bank Negativzinsen nach eigenen Angaben nie - und strich die umstrittene Klausel auch nach kurzer Zeit wieder.

 

Rendite statt Strafgebühr – immer noch möglich

In jedem Fall sollten Betroffene einen Wechsel der Bank prüfen. Denn nach wie vor gibt es Banken, die auch in der anhaltenden Niedrigzinsphase mit deutlich besseren Angeboten locken. Die besten Zinsen sichern Sie sich, wenn Sie dabei auch in anderen Ländern Ausschau halten.

Kreditnehmer wiederum profitieren sogar von den niedrigen Zinsen. Die staatliche Förderbank KfW etwa wil bei ihren Kreditangeboten Negativzinsen einführen und Förderkredite zu Negativzinsen ausgeben - zunächst an Banken und Unternehmen, später auch an Privatkunden.