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Autos Made in Germany unter den Rädern

Für Freunde des Kabaretts ist das, wie der gemeine Volkswagen-Vorstand sagen würde, Diesel-Thema eine nicht versiegende Quelle. Wieder sind die Chefs von Daimler, Volkswagen, BMW und deren Verbandspräsident Bernhard Mattes zu Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zitiert worden. Das war am vergangenen Donnerstag. Nur wenige Stunden zuvor, am Dienstagabend, war Scheuer bei ebenjenem Verband zum Dialog mit Porsche-Chef Oliver Blume eingeladen. Um die Mobilität von morgen sollte es gehen, woran sich Blume, den Auftakt machend, hielt und von Porsches berichtete, die bald zwischen Besitzer und Interessent geteilt werden, Fahrwerk oder Licht on demand ändern, vor allem aber superschnell supersauber fahren. „Die Elektromobilität ist die Antriebsart der Zukunft. Sie ist alternativlos“, sagt Blume, verspricht im 2019 erscheinenden Modell Taycan Nachladen von 100 Kilometern in vier Minuten und 500 Kilometer Gesamtreichweite mit artgerechten Beschleunigungs- und Höchstgeschwindigkeitsmöglichkeiten. Der in Dingen der Technik nicht unbeleckte Bundesverkehrsminister zuckt. Für ältere Diesel wird Porsche, Stand jetzt, keine Nachrüstung anbieten, aber der Diesel ist ohnehin Geschichte. Porsche hat ihn aus dem Angebot geworfen, was Blume als Vorwärtsstrategie preist. Der Bundesverkehrsminister zuckt.

Sollte Blume geglaubt haben, damit sei er die lästige Debatte der Vergangenheit los, irrt er, und die Schar handverlesener Zuhörer aus Industrie, Verbänden und Politik auch. Die nonchalante Art der Autobosse nagt an Scheuers Nervenkostüm ebenso wie die Geisterfahrer im SPD-geführten Umweltministerium.

„Ich ärgere mich echt“, legt der Minister los. „Ihr habt einen riesigen Nachholbedarf, um Vertrauen und Image zurückzugewinnen.“ Wegen der Nachrüstung an Personenwagen erwarte er Bewegung, „da müssen wir nachverhandeln“. Nein, sagt er auf Nachfrage, er sei nicht ins Lager der Nachrüstungsfetischisten gewechselt, seine Priorität liege unverändert auf der Flottenerneuerung. Aber er sei nicht allein in der Regierung, die Beschlusslage sei nun mal, wie sie ist. Also gelte es, voranzukommen. Neben den deutschen betreffe dies natürlich auch die ausländischen Hersteller. „Die machen bislang überhaupt nicht mit“, zürnt der Minister und führt zur Untermauerung einen Vergleich zwischen einem Renault Kadjar und einem VW Sportsvan an. Der VW sei viel sauberer als der Renault, trotzdem stehe VW viel stärker am Pranger.

 

„Also haben wir verdammt was zu tun“

Das Mobilitätskonzept der Zukunft freilich müsse breiter sein, es könne schließlich nicht jeder morgen ein Elektroauto fahren – und erst recht keinen Porsche. „Der saubere Diesel“, korrigiert er, nicht zuletzt an Blume gerichtet und das CO2-Ziel im Blick, „ist wichtig.“ Deutschland sei einmal stolz gewesen auf seine Ingenieurskunst und seine Autoentwickler. Nun sei das Image am Boden, das der Branche und das der Politik. „Also haben wir verdammt was zu tun.“ Marketing und Kommunikation ausweiten, Gas geben, laute die Losung.

Die Wechselwirkung von Technik, Betriebswirtschaft und Politik wird deutlich. „Ich ärgere mich, dass Manipulation in der Vergangenheit mit Luftqualitätswerten vermengt wird. Das hat nichts miteinander zu tun“, sagt Scheuer. Im Herzen, und nun kommt die zweite Seite zum Tragen, ist er Autofan und auch ein Freund sicherer Arbeitsplätze. „Wir reden über eine Schlüsselindustrie. Seien wir endlich wieder stolz darauf, was die deutschen Ingenieure können“, fordert er. In ganz Europa sei schon „ruckelnde Investitionstätigkeit“ spürbar. Es müsse Schluss sein mit der Zerstörung. Die Mentalität sei: Ihr habt betrogen, stellt uns neue Autos hin. „Das werden wir gesetzlich nicht hinbekommen. Und das wird die Industrie nicht verkraften.“

 

„Ich bin gegen ideologische Grenzwerte“

Stattdessen gelte es, sich zu besinnen. „Wir müssen die Asiaten wieder treiben mit der Entwicklung“, sagt der Minister. Die Chinesen versuchten mit Elektromobilität, das weiße Blatt Papier neu zu beschreiben. Das dürfe die Industrie nicht hinnehmen. „Wir hatten in der Vergangenheit Erfolg, weil wir mutig, verrückt und zuverlässig waren, kurzum Made in Germany. Da müssen wir wieder hin.“ Sauer sei er, dass deutsche Hersteller nur Kleinserien mit Wasserstoffantrieb herstellen wollten. Und dass Kommunen viel zu langsam Fördermittel für Elektromobilität abforderten. Und auf die Umweltministerin, weil die mit dem Regierungsbeschluss eines CO2-Minderungsziels von 30 Prozent nach Brüssel geschickt worden und mit 35 Prozent zurückgekommen sei. „Ich bin gegen ideologische Grenzwerte, sondern dafür, das technisch Machbare zu tun. Wir müssen Politik machen, die Arbeitsplätze sichert und schafft. Wir dürfen nicht aus dem Auge verlieren, wie viel Wohlstand an der Autoindustrie hängt. Das hat womöglich noch nicht jeder in der Bundesregierung verstanden“, sagt Scheuer. An den 35 Prozent ist freilich nichts mehr zu machen, „die sind gesetzt, wir müssen nun am Kleingedruckten arbeiten“, gibt der Minister vor.

Da schließt sich ein Kreis, die Elektrifizierung der Antriebe scheint unausweichlich. Scheuer weiß um die Kosten und die Mehrdimensionalität der Aufgabe. „Wir müssen schon noch den Kunden mitnehmen. Elektromobilität wird nur greifen, wenn sie erschwinglich wird. Zugleich müssen wir Wahlfreiheit erhalten und uns nicht in der Einschränkung städtischer Mobilität überbieten. Und schließlich müssen wir an die Menschen im ländlichen Raum denken.“